Buch "Wilhelm Keller und das Salzburger Adventsingen"

07.01.21

Zum 100. Geburtstag hat das Salzburger VolksLiedWerk dieses Buch mit Unterstützung vom Salzburger Musikverein, Land Salzburg, Orff-Schulwerk Gesellschaft Österreich und Hubert-von-Goisern-Stiftung herausgegeben.

Am 8. August 2020 wäre Wilhelm Keller 100 Jahre alt geworden. 1920 in Wels geboren, wuchs Keller seit 1921 in einer zum Protestantismus konvertierten jüdischen Familie in Salzburg auf.  Das neue Buch – im 75. Jahr des Salzburger Adventsingens – ist eine Erinnerung an diesen großartigen Komponisten, Musiktheoretiker und Humanisten, der mit dem Adventsingen von Tobi Reiser und den adventlichen Oratorien von Tobias Reiser seit den 1960er Jahren eng verbunden war. Seit damals hatte er auch die Restbestände des Salzburger Volksliedarchivs geordnet. Wilhelm Keller war ein äußerst schöpferischer und vielfältiger Künstler, Musikwissenschaftler sowie elementarer Musikpädagoge – u.a. langjähriger Leiter des Orff-Institutes des Mozarteums sowie ein bahnbrechender Pionier auf dem Gebiet der musikalischen Sozial- und Heilpädagogik und nicht zuletzt Friedensaktivist.

Ohne Kellers einzigartige kompositorische Handschrift, ohne seine bewegenden Kantaten seit 1964 und sensiblen Liedbearbeitungen nach volksmusikalischen Überlieferungen für das Adventsingen wäre unser Land Salzburg um einiges ärmer. Wilhelm Kellers Musik hat den volksmusikalischen Klangraum Salzburg auf das Schönste bereichert. Unvergessen und inzwischen zu einem Klassiker adventlicher Musik geworden ist z. B. seine herrliche Einleitungskantate zum Salzburger Adventsingen des Jahres 1964 mit dem utopischen Friedenstext aus Jesaja 11:6 „Die Wölfe werden bei den Lämmern wohnen“.

Zum ersten Mal können nun alle einschlägigen volksmusikalischen Kompositionen und Bearbeitungen Kellers publiziert werden (ca. 200 Seiten), verbunden mit einer umfassenden Darstellung von Kellers Leben, Werk und Wirken (ca. 100 Seiten). Es handelt sich um ein in sehr vielen Aspekten innovatives Buch. Keller wusste mit den leidigen Grenzziehungen zwischen Kunst- und Volksmusik nichts anzufangen: Der ehemals vom NS-Regime rassistisch Bedrohte, aber von Freunden Geschützte hielt nichts von jenen Volkstumsideologen, die „die Volksliedbewegung […] als eine gegnerische Bewegung zur modernen Musik“ betrachten – „Volksmusik“ sei weder „natürlicher“ als „Kunstmusik“ noch sei das ideologisierende Reden der Volkstumsapostel über einen völkischen „Mutterboden“ zutreffend.

Am neuen Buch mitgearbeitet haben Kellers Tochter Manuela Widmer, Musikpädagogin und Nachlassverwalterin ihres Vaters, weiters Josef Radauer, der gemeinsam mit seinem Kollegen Martin Hinterholzer alle einschlägigen Kompositionen erstmals für diese Publikation transkribiert hat, Wolfgang Dreier-Andres, der wissenschaftliche Leiter des Archivs des Salzburger Volksliedwerkes, der mit Blick auf Wilhelm Keller ganz neue Forschungsergebnisse aus dem Archiv liefert, und der Literaturhistoriker Karl Müller, der eine Auswahl von Kellers substantiellen Aufsätzen, Vorträgen und Stellungnahmen zum Volkslied und zur Volkskultur kommentiert.

300 Seiten, Notenteil, Preis € 39,-
Bestellungen beim Salzburger Volksliedwerk.